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Würm - Quellen, Bergbau, Mineralien

Bergbaugeschichte

Bergbau auf Eisen und Mangan

Frühgeschichte

Nach archäologischen Funden (unter anderem Rennöfen) waren die zahlreichen Gangvorkommen von Eisen- und Manganerzen südlich von Pforzheim zumindest teilweise bereits den Kelten bekannt und wurden von diesen zur Gewinnung von Eisen genutzt.

Mittelalter
Nach der Neubesiedlung des Schwarzwalds ab dem 11. Jahrhundert wurden diese Gangvorkommen neu entdeckt. Im 13. Jahrhundert gibt es einen regen mittelalterlichen Bergbau. Die Burg Liebeneck spielt als Wachtburg eine wichtige Rolle.

Neuzeit
Im 18. und 19. Jahrhundert lieferten der Liebenecker Gang, der Schönklinger Gang und der Immelsklinger Gang einen Teil der Eisenerze für das Hochofenwerk Benckiser in Pforzheim.


Fluorit-Bergbau

Erst mit der Entdeckung des Fluorits als wichtiger Beischlag für die Erzverhüttung als auch zur Herstellung von Gläsern beginnt eine neue Bergbauperiode. An der Käfersteige ragten große Fluorit-Quarzbrocken aus dem Waldboden. Im Jahr 1920 wurde man im Rahmen der Erkundung von Schwerspatvorkommen im Pforzheimer Raum auf den Gang an der Käfersteige aufmerksam.

Der erste Pachtvertrag wurde am 10. Mai 1932 zwischen dem Land Baden und Alois Hartmann aus Wieden abgeschlossen. Um den Flussspatgang zu erkunden, wurde Ende 1932 ein Schacht abgeteuft.

Hartmann überließ seine Rechte am 1. Dezember 1933 der Mitte 1933 von dem Goldwarenfabrikanten Döppenschmitt gegründeten und finanzierten Firma Fluss- und Schwerspatwerke Pforzheim, Döppenschmitt & Co. in Pforzheim. Der Betrieb wurde Anfang des Jahres 1934 aufgenommen; 1940 gingen die Werke an die I.G. Farben.
Die weiteren Untersuchungen des Ganges ergaben eine Ganglänge von 250 Metern bei einer Mächtigkeit von bis zu 14 Metern. Außerdem wurde ein bauwürdiger Schwerspatgang von 5 Metern Mächtigkeit entdeckt.
Im Jahr 1935 wurde mit der Förderung begonnen. Eine Flotationsanlage gab es in Würm. 1940 übernehmen die IG Farben die Fluss- und Schwerspatwerke Pforzheim. Der Flusspat wird in Oppenau zur Kryolith-Herstellung verwendet (Schmelzflussmittel für die elektrolytische Aluminium-Synthese). Mit dem Kriegsende wird die Produktion und der Bergbau eingestellt.

1952 übernahm die Bayer AG Leverkusen die Fluss- und Schwerspatwerke Pforzheim und damit den Betrieb an der Käfersteige zur Flussspatgewinnung. Schwerspat wird auf dem Liebenecker Gang abgebaut.

Das Flussspat-Haufwerk wird zunächst in Wiesloch durch die Stolberg Zink Ag aufbereitet, ab 1956 dann in Karlsruhe durch die Fluor Chemie GmbH, die 1959 von den Fluss- und Schwerspatwerken Pforzheim aufgekauft wird.

Ab 1961 wird die Förderung, Wasserhaltung und Bewetterung über den 1,5 km langen Würmtalstollen gesteuert. Über einen Blindschacht werden von 1964 bis 1979 sechs Sohlen bis auf 240 m Teufe aufgefahren. Hier erreichte der Flussspatgang eine Länge von 500 Metern und eine Mächtigkeit von 30 Metern. 1981 wird der Betrieb auf Gleislostechnik umgestellt. Eine Untertagerampe fährt den Gang bis auf 310 m Teufe auf. Durch die Anlage einer Untersuchungsstrecke wurde 1983 ein zweiter Gangkörper von 600 m Länge und 25 m Mächtigkeit entdeckt, der fast bis zur Erdoberfläche reicht. Damit ist die Grube Käfersteige die größte bekannte Flussspat-Lagerstätte Mitteleuropas. Insgesamt wird der Gang über 1,2 km Länge und mehrere hundert Meter Tiefe als bauwürdig angesehen.

Nach der Fertigstellung der Würmtal-Rampe erfolgte der Abtransport des Flussspat-Rohhaufwerk per Lkw. In der Zeit, als diese Rampe angelegt wurde, wurde der Abraum auf der Wiese vor dem Stollenmundloch an der Würm zwischengelagert. Aus dieser Zeit stammen einige nette Funde von diesem Gelände. Der überwiegende Rest der Mineralienfunde aus der Betriebszeit stammen vom Karlsruher Rheinhafen, wo das Material zur weiteren Verarbeitung nach Duisburg verschifft wurde.

Der in den letzten Jahrzehnten auf die Herstellung von Säurespat ausgerichtete Abbau wurde 1997 eingestellt, vor allem weil die Flussspat-Billigimporte aus China für einen nachhaltigen Preisverfall sorgten. Die Stollen, Schächte und die Rampe im Würmtal sind inzwischen verwahrt, d. h. mit Plomben und mit Toren versehen, die jedoch Wetteröffnungen besitzen. Die Grube ist bis zum Grundwasserstand abgesoffen. Insbesondere die LKW-Rampe steht fast vollständig unter Wasser.

Zukunft der Käfersteige

Inzwischen ist der Bedarf an Flussspat wieder so weit angestiegen, dass auch ein Abbau an der Käfersteige wieder interessant wird. Denn auch heute nach über sechzig Jahren Abbau sind noch erhebliche Mengen bauwürdiger Vorräte vorhanden, sodass es nach der derzeitigen Weltmarklage nicht ausgeschlossen ist, dass der Abbau dort wieder aufgenommen wird.

Dies liegt nicht zuletzt an der Nachfrage durch den chinesischen Markt. Ein kanadisches Konsortium hat Mutungsantrag für die Käfersteige gestellt. Bisher ist jedoch ein erneuter Betrieb der Grube nicht wieder zu Stande gekommen, da die Grubenabwässer schwermetallbelastet sind und nicht unbehandelt in den örtlichen Vorfluter Würm abgelassen werden dürfen.

Daneben gestaltet sich die Aufbereitung, die zukünftig unter Tage stattfinden soll, als schwierig, weil der Flussspat feinkörnig mit Quarz etwa im Verhältnis 1:1 verwachsen ist. Mehrere Unternehmen, die sich für den Bergbau an der Käfersteige interessiert zeigten und seit 2004 Untersuchungen vorgenommen hatten, zogen sich daher auch von dem Vorhaben zurück.

Selbst wenn das Bergwerk eines Tages wieder eröffnet werden sollte, wird aufgrund der untertägigen Aufbereitung kaum Material die Erdoberfläche erreichen. Neue Funde werden höchstens möglich, wenn der Abraum zur Herstellung der notwendigen unterirdischen Kavernen zunächst - wie beim Auffahren der Rampe - auf dem Gelände vor dem Stollen zwischengelagert wird.

Mineralisation

Der Gang ist relativ drusenarm, daher gibt es nur eine geringe Anzahl sammlungswürdiger Stufen. Größere xx sind meist grünlichgrau, eine jüngere Generation zeigt schöne zonierte xx, aber nur mit einer Kantenlänge um 1 cm. Diese kommen zusammen mit Erzmineralien vor wie Emplektit und Bismuthinit. Die Emplektite gehören zu den schönsten Mitteleuropas, da hochglänzend und in Drusen bis 1 cm freistehend.

Grubenfelder im Bereich Würm

Grube Immelsklinge
Grube Käfersteige
Grube Liebeneck

Bestandslisten der drei Gruben

Bestandsliste Immelsklinge
Baryt, Goethit, Lepidokrokit, 'Limonit'

Bestandslsite Käfersteige
'Agardit', Agardit-(Ce), Agardit-(Nd), 'Albit-Anorthit-Serie', Alloklas, Ankerit, Azurit, Baryt, Bismit, Bismuthinit, Bismutit, Bornit, Brochantit, Calcit, Chalcedon (Var.: Quarz, Mogánit), Chalkanthit, Chalkopyrit, Chalkosin, Chrysokoll, Cobaltit, Connellit, Covellin, Cuprit, Devillin, Dolomit, Emplektit, Erythrin, Fluorit, Galenit, Goethit, Hämatit, Illit (Var.: Muskovit), Kupfer, Kutnohorit, Langit, 'Limonit', Malachit, 'Manganogel', Markasit, Mixit, Muskovit, Olivenit, Posnjakit, 'Psilomelan', Pyrit, Pyrolusit, Quarz, Rhodochrosit, Schwefel, Siderit, Silber, Sphalerit, Spionkopit, 'Tennantit-Serie', 'Tetraedrit-Serie', Todorokit, Wismut, Wroewolfeit, Yarrowit

Bestandsliste Liebeneck
Baryt, Goethit, Hämatit, Lepidokrokit, 'Limonit', 'Psilomelan', Quarz